Magazin-Artikel

Coffein – unsere allerliebste Alltagsdroge im Mythencheck

Von 29. Dezember 2019 September 30th, 2021 Keine Kommentare

Es gibt so viele unter uns, die morgens gar nicht aus dem Bett kommen ohne den geliebten Cafe und dann von ihrem Arzt gehört bekommen, dass „das schlecht sei fürs Herz“.

Für andere wieder ist der Büroalltag ohne den täglichen Coffeinkick nach dem Mittagstief gar nicht durchzustehen – bei den Jugendlichen geht es nicht ohne Energy Drink. Ein durchschnittlicher solcher hat schon den Coffeingehalt von ein bis zwei starken Espressi.

Gerade ich als Wienerin, die quasi im Cafehaus großgeworden ist, ist ein Leben ohne Cafe ja kaum vorstellbar und es ist aus unserer Kultur nicht mehr wegzudenken. Was wäre ein Sonntagnachmittag ohne Guglhupf ( österreichischer Kuchen ) und einer guten Melange? ( Milchcafe )

Die Medien werden jedoch nicht müde vor den Gefahren des Konsums zu warnen. Was also ist dran an den Warnungen, oder ist Coffein doch vielleicht sogar ein Segen?

Unbestritten ist, dass Coffein eine auf das Gehirn einwirkende Droge ist. Es handelt sich um die am meisten verbreitete Alltagsdroge schlechthin.

Coffein ist der Oberbegriff, ob es nun in Form von Tein im Tee oder Guarana konsumiert wird, ist irrelevant, lediglich die Wirkungsweise ist unterschiedlich. Coffein im Cafe wirkt schneller, dafür flaut die Wirkung rapide ab und bewirkt oftmals sogar eine noch größere Müdigkeit nach dem Wirkungsverlust, Tein und Guarana hingegen benötigen längere Zeitspannen um zu wirken, dafür hält die Wirkung dann länger an.

Coffein als solches ist die Reinsubstanz, die auch im Kakao in geringeren Dosen vorhanden ist, somit auch in Schokolade.

Der in den Medien vielfach kolportierte Nutzen von Cafe rührt von anderen Stoffen der zerriebenen Bohne her, diese wirken antioxidativ und im Zusammenspiel haben sie einen positiven Einfluss auf den Organismus, im Übrigen genauso wie alle Teesorten.

Beim Tee ist jedoch insbesondere zu beachten, dass dieser – damit diese Wirkung auch tatsächlich positiv bleibt – aus organischem Anbau stammt. Gerade bei grünem Tee aus China habe ich da so meine Zweifel, bei einem Land, das den Umweltschutz und Verbraucherschutz mit Füßen tritt, ist nicht anzunehmen, dass der dort angebaute Tee im Hinblick auf Schadstoffe unbelastet ist. Das wird so auch für den Macha gelten. Macha ist zerriebenes, hochkonzentriertes Grünteepulver, das auch als „Superfood“ neuerdings an Bedeutung gewonnen hat, Spezialisten aber schon lange aus der traditionellen japanischen Teezeremonie bekannt ist. Macha schmeckt tatsächlich köstlich und gibt einen ordentlichen Energiekick. Genauso wie Mate Tee aus Südamerika.

Wer diese Teesorten verträgt, tut sich sicher nichts Schlechtes an, seit Jahrhunderten wurde Cafe und Tee konsumiert, aber umgekehrt tut er sich auch nicht die „ewige Gesundheit“ an, wie die Produzenten von „Superfoods“ uns glauben machen wollen. Der Konsum von „Superfoods“ kann niemals eine ansonsten unvernünftige Lebensweise ausbügeln, leider. Das wäre zu einfach.

Wie verhält es sich nun mit den Energy Drinks und den „Boostern“?

Die Hauptwirkstoffe in Energy Drinks sind Zucker und Coffein. Beides wirkt. Coffein ist – abhängig von der Menge – eine tolerable Alltagsdroge – Zucker ebenfalls. Leider wird heutzutage zuviel Zucker konsumiert und vor allem mit Getränken geht das Gefühl für die Zuckermenge verloren. Zucker liefert „leere Kalorien“ – das sind einfache Kohlehydrate im Gegensatz zu komplexen, etwa in Vollkorngetreide. Das heißt: man verschwendet Kalorien – das kann sich im Grunde heute niemand mehr leisten. Wir sind eine Generation in der die Diabetes epidemieartige Auswüchse angenommen hat.

Also: wenn schon Energy Drinks: dann bitte: zuckerfrei.

Da wäre aber noch das Problem, dass kohlensäurehältige Sprudelgetränke Phosphorsäure beinhalten, diese greift – vor allem in der Pubertät – die Zähne und Knochen an. Daher gilt auch hier die bewährte Regel des guten Dr. Paracelsus: Die Dosis macht das Gift.

Ein weiterer beliebter Inhaltsstoff ist das Taurin, das so gerne verteufelt wird. Völlig zu Unrecht. Taurin ist lediglich eine Aminosulfonsäure, die der Körper sogar selber als Abbauprodukt der Aminosäure Cystein produziert. Da es den Stoffwechsel etwas beschleunigt, wird es den Energydrinks gerne beigement.

Überhaupt: auch Coffein beschleunigt den Stoffwechsel, deswegen ist es auch häufig Bestandteil von sogenannten „Burnern“, das sind Supplemente, die beim Abnehmen helfen sollen. Der Effekt ist nachweisbar, er ist aber so gering, dass die Ersparnis an Kalorien nicht mal die Menge eines größeren Apfels erreicht. Außerdem gewöhnt sich der Körper blitzschnell an die Coffeinzufuhr und der Effekt verpufft. Das ist auch das Verhängnisvolle am Coffein – man braucht immer höhere Dosen um dieselbe Wirkung zu erzeugen.

Wieviel nun ist unbedenklich?

Gängige Empfehlungen gehen von maximal 300 – 500 mg/Tag für einen gesunden Erwachsenen aus.

300 mg wird als Obergrenze für schwangere Frauen angegeben.

Wieviel nun ist das?

Folgende Getränke enthalten ungefähr diese Mengen:

1 kleine Dose ( 250 ml ) Red Bull: 80 mg

1 starker Espresso: zwischen 50 und 100 mg

1 Dose Monster Energy Drink: 500 ml: 150 mg

Ein halber Liter schwarzer Tee: 200 – 250 mg

Nähere Angaben sind im Internet auffindbar.

Ist es nun schlecht für das Herz?

Antwort: in vernünftigen Dosen sicher nicht!

Ist es leistungssteigernd?

Definitiv! Dies gilt für alle Arten von Sport. Eine Zeitlang war es deswegen sogar auf der Dopingliste. Aber es tritt sehr schnell eine Gewöhnung an diesen Effekt ein.

Wann sollte man es nicht konsumieren?

Möglichst nicht nach 14 Uhr, da die Halbwertszeit der schlafhemmenden Wirkung etwa 6 – 8 Stunden beträgt.

Nicht im Zusammenhang mit Alkohol oder sonstigen Drogen.

Was sind weitere positive Wirkungen?

Coffein erhöht die Gehirndurchblutung. Man kann schneller und besser denken, man ist aufnahmebereiter.

Coffein senkt die Schmerzempfindlichkeit. Daher ist es auch Bestandteil gewisser Analgetica, die mehrere Substanzen kombinieren: beispielsweise Thomapyrin von Bayer oder Aspirin mit Coffein.

Ich hoffe, dass ich Ihre Interesse an diesem Thema wecken und Ihre Fragen beantworten konnte und verbleibe wie immer mit den besten Grüßen aus Wien

Herzlichst Ihre Ele Pline

Wie immer freue ich mich über Anregungen oder Anfragen über mail: sonjafiala@gmx.at

Sonja Fiala

Sonja Fiala

Österreichs älteste, aktive Bodybuilderin