Magazin-Artikel

Das HERZ eines Bodybuilders

Von 29. Dezember 2019Dezember 31st, 2019 Keine Kommentare

Es ist ja kein Geheimnis, dass ich Bodybuilding-Wettkämpfe betreibe. Seit der Wintersaison 2019 trete ich nun auch in der Klasse „Paarposing“ mit meinem Lebensgefährten Dr. Andreas Müller an.

Das ist für uns etwas ganz Besonderes. Nicht nur können wir so unserer gemeinsamen Leidenschaft, dem Wettkampf Bodybuilding frönen, sondern diese Wettkämpfe im Herbst 2019 markierten für Andreas eine triumphale Rückkehr.

Meine geneigt Leserschaft wird nicht wissen, dass Andreas Müller am 13. März 2017 einen Meter von mir entfernt im Fitnesstudio plötzlich zusammengebrochen ist und vom Notarzt mit einem Riss in der Aorta ins Spital gebracht werden musste.

Wenige Menschen überleben so einen Vorfall auch nur kurze Zeit. Andreas wurde ins Wiener Allgemeine Krankenhaus gebracht, wo kein Arzt zur Verfügung stand, weil alle operierten. Es war abends und er wurde mit dem Rettungshubschrauber ins nahe gelegene St. Pöltner Universitätsklinikum geflogen, wo ein junger Arzt um Mitternacht nach Beendigung seiner Schicht zu operieren begann. Die Operation dauerte zehn Stunden.

Danach kam der völlig erschöpfte Arzt zu mir und Judith, das ist Andreas´ Tochter, um uns mitzuteilen, dass der Patient nun im Koma läge und kaum eine Überlebenschance hätte.

Er hätte sich um 4.00 Uhr früh bereits „die Handschuhe“ ausgezogen und wollte den Patienten für tot erklären, lies es dann aber sein, „weil sein Herz immer weiter schlug“ und er sich dachte „der hat noch eine Chance“. Der physische Zustand meines Lebensgefährten war aufgrund des Sports dermaßen gut, dass das nun seine Lebensversicherung darstellte. Dennoch musste ich in den darauffolgenden 10 Tagen, die Andreas im Koma verbringen musste, ständig hören: „er wird sterben“, „er wird nicht aufwachen“, „das überlebt kaum jemand“, „wenn er aufwacht, wird er geistig behindert sein“, „er wird motorische Ausfälle haben“, „er wird nie wieder der Alte sein“.

Es war eine schwere Zeit!

Kurz und gut: er wachte auf, er war nicht geistig behindert, er hatte keine Bewegungsausfälle, er war wieder der Alte und jetzt, im Oktober 19, knapp zwei Jahre später ist er wieder auf der Bühne gestanden!

Man hat ihm den Brustkorb aufgeschnitten, er hat eine Narbe vom Hals bis zum Nabel, aber er hat die Bühne „gerockt“ wie zu seinen besten Zeiten!

All´ das verdankt er dem Bodybuilding, wäre er nicht in so toller physischer Form gewesen, er wäre jetzt tot.

Und er verdankt es seiner eisenharten Disziplin. Er war zwei Tage aus dem Koma erwacht und ist bereits in der Grünanlage des „Rosenhügel“, einer Spitalseinrichtung in Wien, wo er in der Folge untergebracht war, bis zu einer Stunde spazieren gegangen um sich seine Fitness zurückzuerobern. Mit Liegestützen im Zimmer hat er seine Ärzte „geschreckt“, weil sie fürchteten, dass seine Narbe aufreißt, er hat SOFORT wieder begonnen und das war aus sportmedizinischer Sicht goldrichtig und die einzig adäquate Therapie. Als Mann vom Fach wusste er genau wie weit er gehen darf und was er lassen muss. Vernünftig schraubte er die Gewichte im Studio sofort um ein Drittel bis zur Hälfte zurück und steigerte sich erst langsam wieder hoch, aber er hat seine Schwäche und seinen krankheitsbedingten Muskelschwund nicht als Ausrede benutzt um sich zu „schonen“, denn dies hätte die Sache nur noch verschlimmert. Es ist ihm schwergefallen, ja, auch einem Andreas Müller fällt das Training schwer, aber er gibt eben niemals auf. Das ist die einzig richtige Einstellung eines Sportlers, eines Bodybuilders. Das ist der Geist aus dem die Helden des Alltags geschmiedet sind! BRAVO!

Warum ist ihm das dann passiert?

Der Arzt hat uns gesagt, dass es ein unerkannter Gendefekt war und diese Schwäche des Gewebes wirkt sich meist zwischen dem fünfzigsten und dem sechzigsten Lebensjahr irgendwann aus. Sein letzter Patient hatte einen Aortariss bei der Gartenarbeit, es kann auch beim Cafe trinken passieren. Ich habe einen Arbeitskollegen, dem ist es unter der Dusche passiert und er ist verstorben.

Andreas hat überlebt, ihm wurde ein zweites Leben in voller Qualität geschenkt. Dem Himmel und dem phantastischen Arzt sei´gedankt – UND: DEM BODYBUILDING!

Herzlichst: Ihre Ele Pline

Wie immer mit den besten Wünschen aus Wien!

Zuschriften sind wie immer herzlich willkommen unter: sonjafiala@gmx.at

Sonja Fiala

Sonja Fiala

Österreichs älteste, aktive Bodybuilderin

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