Magazin-Artikel

Unsere Atmung – der unterschätzte Gesundheitsfaktor

Von 29. Dezember 2019 Dezember 31st, 2019 Keine Kommentare

Sauerstoff ist das wahrscheinlich wichtigste „Lebensmittel“ überhaupt, dies habe ich in einem meiner bisherigen Artikel bereits erwähnt. Aber heute möchte ich darüber sprechen, wie wir mithilfe unserer Atmung noch viel mehr für unser Wohlbefinden tun können als uns zumeist bewusst ist.

Das Wissen um die Heilkraft des Atems ist uralt, von den Ägyptern über die Griechen bis zu den Indern, die im Yoga dem prana,dem Atem eine besondere Bedeutung zuwiesen, ließe sich die Liste beliebig verlängern.

Der Atem ist die einzige vegetative Funktion des Körpers, die willentlich beeinflussbar ist. Auf die anderen vom vegetativen Nervensystem gesteuerten Funktionen wie Herzschlag, Körpertemperatur oder Verdauung hat der Mensch keinen Einfluss. Wir können uns entscheiden langsamer zu atmen, aber wir können nicht entscheiden, ob das Herz langsamer schlägt oder nicht.

Daraus folgt, dass das vegetative Nervensystem die Atmung steuert, aber wir können ebenso durch bewusste Atmung unser vegetatives Nervensystem beeinflussen!

Es ist ein wenig wie mit der derzeit vielgepriesenen Achtsamkeit. Bei der MBSR, der „mindful based stress reduction“, einer Medidationsmethode, die von religiösem oder esoterischen Brimborium befreit, die Menschen einfach durch „Wahrnehmung dessen, was ist, ohne es zu bewerten oder zu denken“ zur Ruhe bringt, werden ebenfalls Atemtechniken eingesetzt. Die Übenden werden angewiesen sich nur auf ihren Atem zu konzentrieren und alle weiteren aufkommenden Gedanken „einfach durchfließen“ zu lassen. Das ist eine Form der Medidation, die, wenn sie regelmäßig durchgeführt wird, nachweislich ( die Gehirnwellen verändern sich ) Stress reduziert. Empfohlen wird eine tägliche Übungsdauer von etwa 10 Minuten.

Dabei gibt es weiter nichts zu wissen, es gibt nur etwas zu tun.

Üben, üben, üben, das ist der Schlüssel, so wie bei allem. Mit der Zeit wird es immer leichter sich in einen ruhigen Zustand zu versetzen und es wird immer leichter störende Gedanken zumindest für die Zeit der Medidation auszuschalten.

Bei den Atemtechniken nun geht es im Wesentlichen um sehr verwandte Inhalte. Atmen geht immer, so heißt es. Aufkommende Gefühle von Panik oder Angst können vermindert werden, wenn man sich beispielsweise auf seinen Atem konzentriert und nur auf diesen.

Bei Patienten mit chronischem Schmerz beispielsweise wurde nachgewiesen, dass das gewissenhafte Üben mit dem Atem das Schmerzempfinden verringert hat. Gute Erfolge wurden auch in der Krebstherapie, bei Bluthochdruck und bei Depressionen erzielt.

Wie lassen sich diese Erfolge wissenschaftlich erklären?

Der Atem steht in Wechselwirkung mit fast allen physiologischen Prozessen, mit dem Herzschlag, den Druck in den Gefäßen und mit Stoffwechselprozessen. Dies alles wird durch das vegetative Nervensystem koordiniert. Verlangsamen wir unseren Atem, so verlangsamen wir die daran gekoppelten körperlichen Vorgänge, dadurch beruhigt und entspannt sich der Körper und erholt.

Wie gesagt: dieses Wissen ist uralt, auch in Deutschland gibt es eine diesbezügliche Tradition. Diese ist etwa hundert Jahre alt und entstand zur Zeit der Reformbewegung in der sich vor allem Frauen von den Fesseln der Gesellschaft, auch versinnbildlicht durch das Korsett, befreien wollten. Das Empfinden des Körpers, das befreite Atmen gab den Frauen Selbstbewusstsein.

Wie können wir nun heute dieses Wissen für uns nutzen?

Ich habe es schon gesagt: Üben, üben und wieder üben.

Konkret gehen Sie so vor: sie setzen sich hin und atmen für etwa vier Sekunden ein, dann atmen sie sieben Sekunden lang aus und das wiederholen sie täglich für etwa zehn Minuten.

Warum atmen wir länger aus? Weil sich der Körper durch das Ausatmen von Oxydationsstoffen und Abfallprodukten befreit. Sie sollten eine flache Atmung vermeiden und durch das längere Ausatmen „möglichst viel rauslassen“. Man könnte sogar sagen, dass diese Übung ein „Bodybuilding für das Zwerchfell“ ist. Denn auch das Zwerchfell ist nur ein Muskel und als eifrige/eifrige LeserIn meiner Kolumne wissen Sie es schon: Muskeln müssen trainiert werden, sonst verkümmern sie!

Bleiben Sie dran! Es lohnt sich!

Wie immer stehe ich für Fragen und Anregungen gerne unter sonjafiala@gmx.at zur Verfügung und verbleibe mit den besten Grüßen aus Wien

Ihre Ele Pline

Sonja Fiala

Sonja Fiala

Österreichs älteste, aktive Bodybuilderin

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